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Blaues Leuchten: Auf große Äschen an der Mürz

Von Jürgen Oeder

„Siehst Du`s net blau leuchten? – Na da!!!“ Wolf Edler ist ungehalten ob meiner Blindheit: Unwirsch nimmt er mir die Rute aus der Hand und präsentiert die Fliege von der Brücke runter, etwa 10 Meter stromab. - Ja: Jetzt sehe sich sie auch, die blaue Rückenfahne der Großäsche, die sich sofort vom Grund löst und es auf die Sedge abgesehen hat.

Am zweiten Tag mit Wolf an der Mürz habe ich endlich auch ein Auge für verräterische Rückenfahnen entwickelt und kann die großen, dazugehörigen Schatten gezielt anwerfen. Und das ist die erste Besonderheit an dem rund 10 Kilometer langen Abschnitt, den Wolf Edler seit nun acht Jahren aufgebaut hat: Große Äschen lassen sich hier bereitwillig von Trockenfliegen zum Steigen verleiten. Und große Äschen mit mehr als 45 cm gibt es in dem Juwel bei Neuberg/Kapellen in der Steiermark auf Schritt und Tritt.

Was an den langen Zügen, klaren Rieselstrecken und Gumpen des 10-20 Meter breiten Flusses mit Trinkwasserqualität möglich ist, zeigte sich Hermann und mir erneut im Juni. Trotz enormer Hitze von bis zu 30 Grad im Schatten ließen sich die Äschen vormittags und abends mit Rehhaar-Sedges oder grauen Palmern willig an die Oberfläche locken. – Vorausgesetzt die Präsentation stimmt: Eine meterlange, dreggfreie Abdrift der Trockenmuster ist auch hier Voraussetzung für den Erfolg.

Fazit: Von Freitagnachmittag bis Sonntagvormittag fingen wir zu zweit 16 Äschen mit über 45 cm, Hermanns größte erreichte sogar das magische 50-er-Maß. Die Obergrenze ist damit allerdings noch nicht erreicht: Jedes Jahr werden Fahnenträgerinnen bis 55 cm gefangen und vergangenes Jahr toppte ein Ausnahmefisch die 59-cm-Marke.

Der großzügige Fluss birgt aber noch eine zweite Besonderheit. Urwüchsige Bachforellen von seltener Schönheit und wilder Kraft: In einem Seitental der Mürz hat Wolf drei Becken aus dem lehmigen Grund ausheben lassen und dort zieht er die Urforellen aus der Region nach, die sich durch ein intensives Rot ihrer Tupfen auszeichnet, wie ich es zuvor noch nicht gesehen habe. Die Elterntiere dieses Stammes selektiert Wolf während der Laichzeit aus den Seitenbächen der Mürz heraus und besetzt dann den Fluss mit den Nachkömmlingen. Sie sollen allmählich eine zweite Art ersetzen, die an englische „Brownies“ erinnert und ebenso wie die großen Regenbogenforellen aus früheren Besatzmaßnahmen oder anderen Mürzabschnitten stammen.


Wolfs Arbeit hat sich bezahlt gemacht. Bachforellen von Fingerlänge bis gut über 40 cm können tagtäglich an die widerhakenlosen(!) Trockenfliegen und Nymphen gehen. - Wer dann aber in der Dämmerung in Gumpen wie etwa dem „Kanada-Pool“ oder den tiefen Zügen der bewaldeten Abschnitten gezielt auf Truttas angelt, der kann mit etwas Glück kapitale Fische erhoffen. Die größten Bachforellen in der vergangenen Saison kamen auf 75 cm und 72 cm und heuer wurde ein Fisch mit 4,5 kg auf die Schuppen gelegt.

Damit das Wasser und die Fische aber nicht allzusehr strapaziert werden, lässt Wolf maximal 5 Angler am Tag an die 10 Kilometer lange Strecke. Und deshalb ist man dort unter der Woche oftmals allein – und fühlt sich wie im Fliegenfischerparadies. Mehr zu diesem Juwel gibt es in unserer Reisdatenbank und hier folgen noch einige Impressionen.


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