Angelreisen | Fliegenfischen |  Ökologie | Kochen 

Fliegenfischen in Lappland - Zwischen Elch, Bär und Biber

Von Harry Salmgren.

Ein ganz besonderes Gefühl - vorsichtig einen Fluss entlang zu fischen, wo hinter der nächsten Biegung ein pinselohriger Luchs am Ufer stehen könnte, oder ein trinkender Elch, oder ein Biber auf seiner Burg.

Ich hatte gehört, dass es wieder mehr Bären in diesem Gebiet geben sollte. Aber das sorgte mich nicht zu sehr. Bären verstecken sich meist lange, bevor ein unerwünschter Eindringling dazu kommt, ein Auge auf sie werfen. Nur ihre Losung, ähnlich wie Kuhfladen, ist verräterisches Anzeichen ihrer Präsenz in der näheren Umgebung.

Mein Guide hatte mir versprochen, dass es viele Bachforellen und Äschen gäbe im Fluss, dem wir uns auf der gewundenen Schotterpiste näherten. Wie auch immer: Beeindruckend war zunächst die Landschaft mit ihren tiefen Wäldern und Biberfallen hier und da. Und dann, am Flussufer, zeugten spitze, rundum abgenagte Baumstümpfe vom Treiben der Tiere.

Mit fiebriger Gier steckte ich die Rute zusammen. Eine E-12, die eine eierlegende Sedge imitiert, war meine erste Wahl unter den Mustern in der Schachtel. Einige schnelle Luftwürfe, und die Keulenschnur streckte sich hinaus aufs Wasser. Ein lauter Platscher in Ufernähe ließ mein Herz Purzelbäume schlagen.

Aber es war nur ein Biber, aufgeschreckt vom Guide, der begonnen hatte trockenes Holz und Äste für unser Lagerfeuer zu sammeln. Dort würde er den Kaffeetopf für mich warm halten, bis tief in die leichte Sommernacht hinein.

Schmatz - Ein hallender Schmatz unterbrach mein Sinnieren über den Biber und die Fliegenschnur wurde straff. Meine Sedge war verschunden! Ein größer werdender Wellenkranz zeigte mir, dass da ein guter Fisch gewesen war. Aber die Schnur war längst wieder schlaff geworden und der Fisch verschwunden.

Typisch ich Immer mangelt es mir an Konzentration zu Beginn eines Angeltrips, weil all die neuen Eindrücke meine ganze Aufmerksamkeit fordern. All die ungewohnten Geräusche, Bewegungen und Gerüche der Wildnis sind für mich jedesmal so verführerisch, wie das Angeln selbst. Aber ich wußte - das Angeln würde bald die Oberhand gewinnen.

Die Abenddämmerung hatte eingesetzt und das vom Guide mittlerweile entzündete Feuer verbreitete einen warmen Glanz um den Lagerplatz oben am Waldrand. Ich hatte die Fliege kaum wieder ausgeworfen, als eine große Bachforelle plötzlich aus dem Wasser sprang. Die Schnur straffte sich mit pulsierenden Zuckungen und verschwand von der Rolle. Der Guide, der das Sirren der ablaufenden Rolle gehört hatte, kam strahlend zu Hilfe. Die Forelle versuchte wild und außer sich den Haken abzuschütteln. Aber zum guten Schluß war sie, die wunderschöne Sechspfünderin, doch gezwungen, aufzugeben.



Anmerkung: Bei dem Fluss voller kapitaler Brown-Trouts handelt es sich um den Lögdeälven im südlichen Lappland oder nördlichen Mittelschweden. Der Fluss mündet bei Umea in die Ostsee und ist frei von Schmelzwasser.

Harry Salmgren betreut und guidet dort auf Wunsch kleine Gruppen. Die Betonung liegt auf „klein“, weil das wunderschöne und fragile Biotop kein Massenbetrieb à la Tjuonajokk verträgt. Das Basiscamp sind einige Blockhütten im „alten Garten“ an einer seeartigen Verbreiterung des Flusses. Dort kann auch auf Hechte gefischt werden.

Ich selbst habe in der verzauberten Landschaft bereits zwei Mal gefischt und in beiden Aufenthalten Forellen um die 2 kg gefangen. Wer es versuchen will, der wende sich an Harry Salmgren. Harry ist ein lieber und offener Mensch und ein ganz hervorragender Guide, und er spricht auch deutsch.
Kontakt: salmgren@flyfish.pp.se

Jürgen/Redaktion



Weitere interessante Links: