Angelreisen | Fliegenfischen |  Ökologie | Kochen 

Immer mehr Zuchtlachse bedrohen Wildbestand im Atlantik

Lachsfarmen produzieren über eine Million Tonnen Fisch.

Washington – Aus Fischarmen entkommene Zuchtlachse werden zu einer immer größeren Bedrohung für die Wildbestände im Atlantik. Seit 1970 hat sich die Zahl der in Fischfarmen produzierten Lachse vertausendfacht. Und ebenso stieg die Zahl entkommener Zuchtlachse, die sich seitdem mit den Wildfischen kreuzen und deren Genpool dadurch massiv verschlechtern. Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO stieg die Weltproduktion der wichtigsten Salmonidenarten wie Königs-, Silber- und atlantischer Lachs von rund 1000 Tonnen im Jahr 1970 auf über eine Million Tonnen im Jahr 1999. 80 % dieses Zuwachses geht allein auf das Konto des Atlantischen Lachses mit Norwegen als Hauptproduktionsland.

Trotz der enormen Produktionssteigerung an Farmfischen hält die Nachfrage nach wildem Atlantiklachs wegen fallender Preise unverändert an. Dessen Bestände sind inzwischen so sehr bedroht, dass die Atlantic Salmon Federation (ASF) drastische Schutzmaßnahmen fordert. Nach einer Studie des World Wildlife Fund (WWF) ist der Atlantiklachs bereits aus 309 Fluss-Systemen in Europa und den USA verschwunden. In einem Drittel der Lachs-Flüsse gilt der Bestand als gefährdet. Intakte Populationen gibt es demnach in Norwegen, Island, Irland und Schottland.

Doch auch diese Bestände werden durch entkommen Zuchtlachse bedroht. Nach Angaben der FIS (Fish Information System), einem Organ des kommerziellen Fischfangs, entkamen im August 2000 von einer etwa 30 Kilometer nördlich von Belfast gelegenen irischen Zuchtfarm mehrere zehntausend Zuchtlachse. Nun wird befürchtet, dass die Zuchtlachse gemeinsam mit den Wildbeständen die Flüsse aufsteigen und sich dort kreuzen. Bastardisierung von Wildfischen durch Zuchtlachse gilt laut FIS als „eine der Ursachen für den scharfen Rückgang der Lachsbestände im Atlantik in den vergangen 30 Jahren“.

In Norwegen entkamen im vergangen Jahr laut FIS sogar 266.000 Lachse aus verschiedenen Lachsfarmen entlang der Küste. Im Jahr zuvor lag die Zahl sogar bei 412.000 entkommenen Fischen. Der Vorsitzende der Verbandes der Norwegischen Fischfarmer, Torald Sivertsen, wertet diesen Rückgang als Beleg dafür „dass wir uns um das Problem entkommener Fische kümmern“. Sivertsen hofft, die Zahl in diesem Jahr auf rund 130.000 drücken zu können.

Vor der kanadischen Vancouver Island im Pazifik entkamen aus einer Fischfarm überdies zwischen 13.000 und 17.000 Atlantische Zuchtlachse. Ob das ökologischen Folgen für die Pazifischen Lachsarten haben und es unter Umständen zu Hybridformen kommen wird, ist unklar.

Das Überangebot an Lachs auf dem Markt hat inzwischen zum Preisverfall bei Wildfängen aus Alaska geführt. Berufsfischer bekamen dieses Jahr für ein Kilogramm Rotlachs nur noch 88 Cent, 1988 war es mit 4,42 US$ noch das Fünffache. An dem Preisverfall hat selbst der Einbruch der Fangzahlen in dieser Saison nichts geändert: In der Bristol Bay fingen Brerufsfischer heuer „nur“ noch 14 Millionen Rotlachse, das ist die Hälfte des Durchschnitts der vergangen zehn Jahre.
Nach einer Studie der kanadischen David Suzuki Foundation enthalten Zuchtlachse bis zu zehn Mal mehr Umweltgifte und Pestizide als Wildlachse. Wegen des hohen Anteils an so genannten polychlorierten Biphenylen (PCB) sollten Kleinkinder demnach keinen Zuchtlachs essen. Pestizide und PCB werden zunächst über die Nahrungskette im Meer angereichert und lagern sich im Fett der Fische an. Zuchtlachse werden wiederum mit Pellets gefüttert, die aus Fischöl hergestellt werden.


Weitere interessante Links: