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Umweltbundesamt: Kleinwasserkraftanlagen sind meist ökologisch bedenklich

Studie hilft argumentieren.

Kleinwasswerkraftanlagen sind meist ökologisch bedenklich und unwirtschaftlich. Zu diesem Ergebnis kommt das Umweltbundesamt in einer umfassenden Studie. Die Behörde warnt vor einem „erheblichen Zielkonflikt zwischen Klimaschutz auf der einen Seite und Gewässer- und Naturschutz auf der anderen Seite“. Die Studie kann für 7,50 Euro (15.- DM) beim Umweltbundesamt bestellt werden und ist eine wichtige Argumentationshilfe im Kampf gegen die Gewässerverbauung.

Die Bundesregierung will zur Minderung des CO2-Ausstoßes den Anteil erneuerbarer Energieen am Primärenergieverbrauch bis 2010 verdoppeln und bis 2050 auf mindestens 50% bringen. Wasserkraft soll deshalb verstärkt ausgebaut werden. Mehr als drei Viertel des technisch nutzbaren Potenzials liegen in Bayern und Baden-Württemberg – in der Forellen-, Äschen- und Barbenregion. Der Studie zufolge ist das mit der heutigen Technik nutzbare Potenzial allerdings schon zu etwa 70% erschlossen.

Das noch erschließbare Potenzial betrifft daher im wesentlichen kleine, bisher unverbaute, naturnahe Gewässer. Dem Umweltamt zufolge können jedoch die möglichen ökologischen Beeinträchtigungen insbesondere an den wenigen noch naturnahen Fließgewässern dagegen erheblich sein. Eine von dem Amt erstellte volkswirtschaftliche Kosten-/Nutzenanalyse zeigt die Unwirtschaftlichkeit kleiner Anlagen: Vor allem bei kleinen Wasserkraftanlagen bis 100 kW Leistung liegen die Selbstkostenpreise in allen drei Fällen - Neubau, Reaktivierung und Modernisierung - über den Sätzen der Vergütung nach dem Stromeinspeisungsgesetz. Damit könne selbst in günstiger Lage in vielen Fällen kaum wirtschaftlich Strom erzeugt werden. Fazit: „Der weiteren Erschließung des Potenzial kleiner Wasserkraftanlagen kommt daher vor dem Hintergrund der negativen ökologischen Auswirkungen keine Priorität im Klimaschutz zu“, heißt es in der Studie.

Unter Berücksichtigung der geltenden Rechtsvorschriften und der Anforderungen der zukünftigen EG-Wasserrahmenrichtlinie werden folgende Empfehlungen ausgesprochen:

- Generell sind aufgrund der höheren Effektivität große Wasserkraftwerke als Sekundärnutzung an bereits ausgebauten und aufgestauten Gewässern den Klein- und Kleinstanlagen vorzuziehen. Auf ihre Optimierung sollte das Hauptaugenmerk beim Ausbau der Wasserkraftkapazitäten gelegt werden.

- Bei naturnahen Gewässern oder solchen, an denen eine Renaturierung geplant ist, sollte auf die Nutzung der Wasserkraft verzichtet werden.

- Unproblematisch ist die Errichtung und Reaktivierung von kleinen Wasserkraftanlagen an bestehenden, nicht rückbaubaren Wehranlagen, besonders dann, wenn damit gleichzeitig ökologische Verbesserungen (z.B. Wiederherstellung der Durchwanderbarkeit) erreicht werden.

- Bei Wiederinbetriebnahme von Altanlagen und bei Erneuerung von Wasserrechten sollten Belange des Gewässerschutzes stärker berücksichtigt und Auflagen erteilt werden (z.B. funktionsfähige Fischaufstiegshilfen, baulich garantierter, dynamischer Mindestwasserabfluß, kein Schwellbetrieb).

- Bei Neuanlagen ist ein Aufstau des Gewässers zur Wasserableitung zu vermeiden. Es sollten Konstruktionen gewählt werden, die den genutzten Teil des Wassers so ableiten, dass die Durchgängigkeit des Gewässers und der Fließgewässercharakter erhalten bleibt (z.B. Seitenentnahme mit Leitwerk im Gewässer). Auflagen zum Mindestwasserabfluß und zu Maßnahmen zur Vermeidung fischereilicher Schäden durch die Turbinen sind zu erteilen, Schwellbetrieb ist zu untersagen.

- Zu empfehlen ist eine Positivkartierung aller potentiellen Standorte, an denen unter Berücksichtigung der Umweltbelange Kleinwasserkraftanlagen mit einer Leistung bis 1000 kW wirtschaftlich betrieben werden können, wie dies z.B. in Baden-Württemberg bereits erfolgt ist.

Die Veröffentlichung "Wasserkraft als erneuerbare Energiequelle" ist in der Reihe TEXTE des Umweltbundesamtes als Nr. 1/2001 erschienen. Sie umfasst 90 Seiten, kostet 15,- DM und kann gegen Zusendung eines Verrechnungsschecks an die Firma Werbung und Vertrieb, Ahornstraße 1-2, 10787 Berlin, bestellt werden. Bitte unbedingt die TEXTE-Nummer und den Namen des Bestellers angeben.


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